Wetten dass…? … uns etwas fehlen wird?

Es wäre falsch, eine Fernsehsendung zu etwas zu stilisieren was sie nicht ist und nie sein kann: Einem Bindeglied zwischen Generationen.

Dennoch überkommt mich mit der Gewissheit über den bevorstehenden Abschied von „Wetten daß…?“, ein Gefühl des Verlustes. Dabei geht es mir um mehr als um Melancholie oder die unvermeidliche Glorifizierung der eigenen Jugend.

Die Sendung symbolisiert den klassischen Fernsehsamstagabend im Kreis der ganzen Familie. Die Betonung hier auf der ganzen Familie. Ein Format, sicher für niemanden perfekt, dabei aber für alle unterhaltsam. Gut gemachte Wetten erfreuen Jung und Alt. Die Sofa Gespräche langweilen vielleicht die Kinder und Jugendlichen. Showstars treffen mal diesen, mal jenen Geschmack. Und wenn es dann einmal zu international wird, haben die Älteren zumindest einen Grund sich über „dieses englische Zeug“ zu beschweren.

In einer Zeit, in der wir alle fortwährend gewollt oder ungewollt unterhalten werden und dabei Zeit, Ort und Charakter des Konsums von multimedialen Angeboten grenzenlos sind, wirkt das Format einer traditionellen Fernsehshow auf den ersten Blick überholt. Klar: Zu unspezifisch, nicht individuell genug, keine eindeutige Ausrichtung auf eine Zielgruppe. Da müssen die Quoten ja leiden. Aber geht es immer nur darum?

Unsere Wirklichkeit ist heute geprägt von der zunehmenden Auflösung von festen Zeitrastern und Strukturen. Multimediale Informationsangebote haben daran einen großen Anteil. Dabei sehen wir aber auch, daß gleichzeitig Regeln und damit Orentierung verlorengehen. Dazu gehört das Bewusstsein, sich pünktlich um 20.15 Uhr vor dem Fernseher einfinden zu müssen, um eine Sendung vollständig zu sehen.

Darüber hinaus erfordert ein Format wie „Wetten daß…?“ ein Mindestmaß an Geduld und Toleranz gegenüber Inhalten, die für den Einzelnen nicht interessant sind. Schließlich auch die Respektierung der Tatsache, nicht einfach umschalten zu können wenn der Rest der Familie gerade interessiert zuschaut. Obendrein, – dies ohne Werbepausen!

Und dennoch: Eine gut gemachte Sendung (und davon gab es trotz aller berechtigter  Kritik viele…), schaffte es immer wieder, einen Beitrag zum gemeinsamen Erleben von Unterhaltung zu machen. Am Sonntag beim Frühstück die Wetten im Familienkreis noch einmal Revue passieren zu lassen, war und ist sicher nicht das schlechteste Gesprächsthema.

Ich will gar nicht über die Motive wie die Quote, Moderatoren, die Kosten oder andere Beweggründe für diese Entscheidung spekulieren. In der Summe, hätte ich mir vom öffentlich rechtlichen ZDF andere Ideen zur Veränderung gewünscht als die, einfach aufzugeben. Veränderungen im TV-Sehverhalten der heutigen Gesellschaft zu akzeptieren, bedeutet noch lange nicht automatisch vor ihnen zu kapitulieren.

Sollte die Lücke nun noch durch Zeitgeistshows, austauschbare Filmformate oder noch mehr „Samstagsabendkrimis“ gefüllt werden, haben letztendlich alle etwas verloren. Ich mag es mir gar nicht vorstellen.

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