Wenn das iPad Kaffee kocht…

… so lautet heute eine Überschrift im Handelsblatt. Ich war überrascht. Obwohl ich diesen Tablets schon immer eine Menge zugetraut hatte.

Gerade diese Neuigkeit interessierte mich aber besonders, heisst es doch so schön in einem alten Sprichwort: “Das größte Wunder ist es, daß man es schafft sich morgens den ersten Kaffee zu machen ohne vorher einen getrunken zu haben”. Also machte ich mich ans Werk. Das Einfüllen des Kaffeepulvers über den Schlitz für das Ladekabel war schon etwas umständlich, allerdings bekam ich das noch hin. Als es aber darum ging, wo nun das Wasser einzufüllen sei, entschloss ich mich den Artikel zunächst vollständig zu lesen…

…Spaß beiseite, es handelt sich hier natürlich um ein weiteres Beispiel der stetig zunehmenden Vernetzung im privaten Umfeld. Auf der ifa in Berlin stellt Philips/Saeco eine Kaffeemaschine vor, die über Bluetooth mit dem iPad verbunden ist. Mit der entsprechenden App kann man dann verschiedenste Kaffeeoptionen auswählen. Phantastisch oder?

Nachdenklich gemacht hat mich aber das Beispiel eines sogenannten “Use-Cases”, also ein Beispiel aus dem Alltag, welches die existenzielle Bedeutung einer Technologie, von der man bis vor Kurzem nichts wusste, für das eigene Leben schonungslos verdeutlicht. Dieser Use-Case liest sich so: “So kann man nach einem Essen mit Freunden das iPad herumreichen, und jeder tippt seinen Kaffeewunsch in den Rechner. Die Machine arbeitet die Liste dann ab.”

Was auf den ersten Blick wie eine wunderbare Idee klingt ist aber letztendlich sehr unpersönlich. Habe ich zum Beispiel Gäste, freue ich mich, meine Freunde nach Ihrem Wunsch zu fragen, und das Getränk in der Küche selbst individuell zuzubereiten. Und sei es nur, daß ich selbst ein paar Knöpfe drücke und Einstellungen vornehme. Sind es doch gerade auch diese Momente des tatsächlichen Bedienens, die einen Abend gastfreundlich und besonders machen.

Ich liebe Technologie, keine Frage. Nur zwinge ich mich permanent zu hinterfragen, welche Ebenen von Automation das Leben erleichtern und nachhaltiger machen (Beispiele: Energieverbrauchssteuerung, Schutz des Eigentums, Beschaffung und Lagerung wertvoller Lebensmittel, Unterhaltungselektronik etc.), oder welche uns einfach ein Stück weiter technologieabhängig und damit unselbstständiger machen. Mit jedem Handgriff, den wir uns ohne Not von Maschinen abnehmen lassen, geht auch ein Stück Kultur und Stil verloren – oftmals leider unwiderbringlich.

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