Bruchlandung im Vertragsmanagement

Laut einem Bericht im Handelsblatt vom 07.10.2014 wird der deutsche Steuerzahler für das „System Eurofighter“ bis zur Ausmusterung des letzten Flugzeugs ca. 60 Milliarden Euro ausgegeben haben. Dabei macht der Anschaffungspreis von ca. 14 Milliarden Euro für 143 Flugzeuge nur etwa 25% der Gesamtaufwendungen aus. Viel Geld dafür, dass aktuell nur 8 der momentan 109 Flugzeuge voll einsatzbereit sind, maßgeblich wegen Mangel an Ersatzteilen.

Die Unternehmensberatung KPMG hat ein mangelhaftes Vertragsmanagement als einen der Gründe für das Desaster identifiziert. Der Eurofighter ist ein internationales Projekt, bei dem eine Vielzahl von Anbietern gemeinsam das fertige System liefert. Knapp 2.000 nationale und internationale Verträge sind Grundlage der Zusammenarbeit und der Steuerung des Projektes.

Dennoch oder gerade deswegen ist es nicht gelungen, das Flugzeug zu den ursprünglich angestrebten Terminen im budgetierten Kostenrahmen zu liefern. Dennoch oder gerade deswegen ist unklar, wer für die Verzögerungen, Unzulänglichkeiten und Mehrkosten verantwortlich ist und haftet. Man hat schlicht den Überblick verloren. Auch gutgemeinte Reaktionen haben die Situation durch ungeahnte Wechselwirkungen eher noch verschlechtert. Stichwort: Ersatzteil Lieferstopp!

Wäre der Eurofighter ein kommerzielles Produkt für einen gewerblichen Markt, hätte das Projekt für den Betreiber oder Anbieter mit großer Sicherheit den Ruin, zumindest aber eine existenzbedrohende Krise bedeutet. Oder anders gesagt: In der Wirtschaft könnte man sich so eine Katastrophe nicht erlauben.

Globale Märkte sind geprägt durch hohen Wettbewerbsdruck und große Spezialisierung. Darum wird es zunehmend zur Regel, dass Produkte oder Dienstleistungen von Herstellerkonsortien oder Anbietern gemeinsam erbracht werden. Die Abhängigkeit von Zulieferern und Vertragspartnern nimmt stetig zu.

Damit wird ein effizientes Vertragsmanagement für moderne Unternehmen erfolgsentscheidend. Im komplexen Geflecht multilateraler Verpflichtungen muss jederzeit volle Transparenz herrschen. Wechselwirkungen, Abhängigkeiten, potenzielle Stellschrauben, etwaige Regressansprüche oder Optionen zur erfolgreichen Nachverhandlung müssen jederzeit deutlich erkennbar sein bzw. ins Auge der Verantwortlichen springen.

Der erste Schritt für diese Transparenz ist ein digitales Vertragsmanagement. Als Teil eines Systems für Dokumentenmanagement werden damit auch Anforderungen einer Konformität im Sinne von regulatorischer Compliance sowie einer Revisionssicherheit geregelt.

Papier ist geduldig und Geduld ist eine Tugend. Dem Tempo und den Anforderungen des Geschäftslebens von heute sind Papier-Verträge und die damit verbundenen manuellen Prozesse aber einfach nicht mehr gewachsen.

Nur digitales Vertragsmanagement verleiht letztendlich Flügel.

Morgenstund hat Gold im System

Anruf beim Telekom Kundendienst, heute morgen um 7.50 Uhr:

Das System:

“Herzlich Willkomen beim Kundenservice der Deutschen Telekom. Bei Fragen zu de-Mail wählen Sie bitte die 1.”

Ich wähle die 1

Das System:

“Zur Sicherung der Servicequalität zeichnen wir einzelne Gespräche auf. Wenn Sie mit der Aufzeichnung dieses Gespräches einverstanden sind, sagen sie bitte: Ja”

Ich sage voller Inbrunst: “JA!

Das System:

“Wenn Sie dieses Gespräch bewerten möchten, bleiben Sie nach Beendigung des Gespräches bitte in der Leitung”

Ich murmele, mehr zu mir selbst: “Klar, gern!”

Das System:

“Leider rufen Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten an. Diese sind von Montags bis Freitags, 8.00 Uhr bis… Bitte rufen Sie zu einem späteren Zeitpunkt an.”

Ich blieb noch in der Leitung um meine Bewertung abzugeben. Aber das geht leider nur während der Geschäftszeiten. Hätte ich mir denken können.

Wenn das iPad Kaffee kocht…

… so lautet heute eine Überschrift im Handelsblatt. Ich war überrascht. Obwohl ich diesen Tablets schon immer eine Menge zugetraut hatte.

Gerade diese Neuigkeit interessierte mich aber besonders, heisst es doch so schön in einem alten Sprichwort: “Das größte Wunder ist es, daß man es schafft sich morgens den ersten Kaffee zu machen ohne vorher einen getrunken zu haben”. Also machte ich mich ans Werk. Das Einfüllen des Kaffeepulvers über den Schlitz für das Ladekabel war schon etwas umständlich, allerdings bekam ich das noch hin. Als es aber darum ging, wo nun das Wasser einzufüllen sei, entschloss ich mich den Artikel zunächst vollständig zu lesen…

…Spaß beiseite, es handelt sich hier natürlich um ein weiteres Beispiel der stetig zunehmenden Vernetzung im privaten Umfeld. Auf der ifa in Berlin stellt Philips/Saeco eine Kaffeemaschine vor, die über Bluetooth mit dem iPad verbunden ist. Mit der entsprechenden App kann man dann verschiedenste Kaffeeoptionen auswählen. Phantastisch oder?

Nachdenklich gemacht hat mich aber das Beispiel eines sogenannten “Use-Cases”, also ein Beispiel aus dem Alltag, welches die existenzielle Bedeutung einer Technologie, von der man bis vor Kurzem nichts wusste, für das eigene Leben schonungslos verdeutlicht. Dieser Use-Case liest sich so: “So kann man nach einem Essen mit Freunden das iPad herumreichen, und jeder tippt seinen Kaffeewunsch in den Rechner. Die Machine arbeitet die Liste dann ab.”

Was auf den ersten Blick wie eine wunderbare Idee klingt ist aber letztendlich sehr unpersönlich. Habe ich zum Beispiel Gäste, freue ich mich, meine Freunde nach Ihrem Wunsch zu fragen, und das Getränk in der Küche selbst individuell zuzubereiten. Und sei es nur, daß ich selbst ein paar Knöpfe drücke und Einstellungen vornehme. Sind es doch gerade auch diese Momente des tatsächlichen Bedienens, die einen Abend gastfreundlich und besonders machen.

Ich liebe Technologie, keine Frage. Nur zwinge ich mich permanent zu hinterfragen, welche Ebenen von Automation das Leben erleichtern und nachhaltiger machen (Beispiele: Energieverbrauchssteuerung, Schutz des Eigentums, Beschaffung und Lagerung wertvoller Lebensmittel, Unterhaltungselektronik etc.), oder welche uns einfach ein Stück weiter technologieabhängig und damit unselbstständiger machen. Mit jedem Handgriff, den wir uns ohne Not von Maschinen abnehmen lassen, geht auch ein Stück Kultur und Stil verloren – oftmals leider unwiderbringlich.

Führungskompetenz: Trainieren wie die Weltmeister

Eine Qualifikation zu besitzen bedeutet alle notwendigen Voraussetzungen zu erfüllen, um eine Tätigkeit fachgerecht ausüben zu können oder zu dürfen. In der Regel denken wir bei der fachlichen Qualifikation für unser Berufsleben an die Ausbildung, Studienabschlüsse, gespeichertes Faktenwissen oder schlicht kennzahlgetriebene Konformität. Die digitale Transformation in der Arbeitswelt bewirkt aber eine immer größere Spezialisierung der Mitarbeiter auf eine geringe Anzahl von Einzeltätigkeiten oder die Ausführung eines jeweils sehr eng umrissenen Arbeitsschrittes in einer langen Prozesskette.

Kategorie-Expertentum ist das Gebot der Stunde. Generalisten sind in der Regel (zu) wenig gefragt.

Der einzelne Mensch und damit die sozialen Kompetenzen in der Führung treten in den Anforderungsprofilen der Unternehmen zunehmend in den Hintergrund. Schon mit den umstrittenen aber populären automatisierten Online-Bewerbungsprozessen beginnt heute die maschinengesteuerte Auslese anhand von enggesteckten, digitalen Parametern. Darüber hinaus lässt der allgegenwärtige Kostendruck es in der Regel nicht zu, zwei Mitarbeiter mit gleichen oder ähnlichen Fertigkeiten im selben Bereich zu beschäftigen. Je individueller die einzelnen Glieder einer Prozesskette ausgeprägt sind, desto schwieriger wird es dann aber auch ein einzelnes Glied zu ersetzen. Paradoxerweise ist somit in Zeiten zunehmender Gleichmachung der Arbeitskräfte das einzelne Glied zwar ersetzbarer, gleichzeitig aber erfolgsentscheidender.

Für die moderne Führungskraft stellen sich damit zwei wesentliche Herausfoderungen:

1. Hochgradig spezialisierte Mitarbeiter die in ihren Fachbereichen in der Regel besser ausgebildet und kenntnisreicher sind als die Führungskraft selbst, im Arbeitsgruppenverbund zu Höchstleistungen zu führen.

2. Sorge zu tragen, daß die Arbeitskette jederzeit optimal funktioniert, auch wenn aufgrund der Spezialisierung und der Ausdünnung der allgemeinen Personaldecke gefährliche Abhängigkeiten und Engpässe entstehen, die beim Fortgang eines einzelnen Mitarbeiters nicht so ohne weiteres bzw. nicht in einer akzeptablen Zeit kompensiert werden können.

Für die Qualifikation einer Führungskraft erfordern diese Trends eine Renaissance des Schwerpunktes auf die Menschenführung. Die Waage im Bereich des “Human Resources Management”, die sich in den letzten Jahren immer mehr in Richtung der “Resources” geneigt hatte, muss und wird sich mit einer Betonung auf den menschlichen Aspekt wieder in der Mitte einpendeln.

Es geht also längst nicht nur um Kategoriefachwissen: Fordern und Fördern, Loben und Tadeln, Zuhören statt Reden, Das Warum über das Wie stellen, Führungskompetenz bewusst ausstrahlen – dies sind nur einige Stichworte zu Erkenntnissen aus einem für mich sehr wertvollen Führungskräfteseminar, welches ich jetzt wieder besucht habe.

Führungsqualität kann man sich nicht anlesen. Man muss sie trainieren – fortwährend. Es ist wie bei den Fußballweltmeistern: Talent allein reicht heute nicht mehr. Nur ständige Übung und das Hinterfragen der eigenen Gewohnheiten und Verhaltensweisen fördert die persönliche Weiterentwicklung. Gerade ein offenes Seminar bietet dabei die Möglichkeit der gegenseitigen Reflektion und des Austausches mit Führungskräften aus anderen Branchen unter fachkundiger Anleitung. Ein Führungsseminar ist immer ein Gewinn: Persönlich, für die Mitarbeiter und für den Arbeitgeber allemal.

Meine Empfehlung: http://www.hager-partner.de/unternehmen/training-coaching/

Eine Maut für ein Europa

“Freie Fahrt für freie Bürger!”

Dieser beliebte Slogan aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde immer dann gern skandiert, wenn mal wieder laut (… auch damals schon bevorzugt  im Sommerloch…), über ein generelles Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen nachgedacht wurde. Meist waren solche Forderungen politischer Selbstmord und sie verschwanden regelmäßig wieder aus der öffentlichen Diskussion. Irgendwann kam dann jemand auf die schlaue Idee, daß man ein generelles Tempolimit auch durch viele, viele, viele einzelne Tempolimits erreichen konnte. Und so wurde das dann auch gemacht. Ohne Getöse.

Auch als die ersten Diskussionen über eine Autobahn-Maut aufkamen, wurde die Forderung für die freie Fahrt natürlich wieder laut. Über viele Jahre mit Erfolg. Schließlich steht die freie Fahrt ohne Straßengebühren ja auch in Artikel 1 des Grundgesetzes. Oder Moment, geht es da um etwas anderes?

Egal, als dann erst einmal nur die LKWs traf, atmeten wir auf, dachten “Das geschieht den Schnecken recht” und machten unsere Witze. Daß die LKWs fortan auf die Landstraßen auswichen und damit Anwohnern von Durchfahrtsstraßen die Lebensqualität raubten, – nun, das betraf ja nur eine Minderheit. Darüber konnten wir großzügig hinwegsehen.

Nun aber wird es ernst.

In der bundesdeutschen Politik und in der CSU ist die PKW-Maut zurück auf der Agenda. Verkehrsminister Dobrindt hat ein durchdachtes Konzept vorgelegt, welches keine Frage offenlässt: Irgendwie zahlen alle, die deutschen Autofahrer aber letztendlich doch nicht. Also linke Tasche, rechte Tasche und ein Haufen Bürokratie. Toll.

Europapolitisch ist dies natürlich ein Schelmenstreich. Die Maut für alle, auch auf Landstraßen, aber nur deutsche Autofahrer über die KFZ Steuer zu entlasten, – ja was ist denn das bitte für ein System? Wo bleibt denn da der Gedanke der europäischen Einigung? Schon wird in Nachbarländern wie der Schweiz oder den Niederlanden darüber nachgedacht, (Revanche)-Mautsysteme einzuführen (Schweiz), oder geparkte, unpopuläre Inititativen (Niederlande) wieder aus der vielzitierten Schublade zu holen. War doch auch klar.

Damit werden neue Barrieren geschaffen.Es gibt auch zu recht Befürchtungen, daß grenznahe Regionen unter der Maut leiden werden, da der Grenzverkehr zurückgehen würde. Mal ehrlich: Was wäre der Düsseldorfer Weihnachtsmarkt ohne Niederländer oder ein deutscher katholischer, also besinnlicher, Feiertag ohne lange Staus in Richtung der Designer-Outlets in Belgien oder Holland?

Ich frage mich: Warum macht man die europäische Infrastrukturkonzepte mitsamt Mautsystemen etc. nicht zu einer europäischen Aufgabe? Das wäre doch einmal eine sinnvolle, länderübergreifende Initiative. Sie würde vielen Bürgern auch deutlich machen, daß in Brüssel wirkliche Realpolitik gemacht wird. In Zeiten von Eurokrise, unwürdigem Postengerangel in der EU Komission oder rechtsnationaler Europafeindlichkeit, wäre eine gemeinsame Verkehrspolitik doch wirklich eine gute Sache. Stattdessen sehen wir Kleinstaatenpolitik wie im 18. Jahrhundert… Das ist schade.

Eine gemeinsame Verkehrspolitik könnte sogar Großbritannien mittragen, denn auf der falschen Straßenseite könnte man dort ja weiterhin noch fahren.