Personal

Rettet die Konzentration

Oliver Bierhoff, der Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, fällt mir immer wieder durch seinen präzisen Umgang mit der deutschen Sprache auf. Ich höre ihm gerne zu – inhaltlich nicht immer, aber er formuliert sehr treffend.

Nun hat Oliver Bierhoff folgenden Satz gesagt: “Die Konzentration auf die WM in Brasilien fordert derzeit die Fokussierung auf den Sport”. So von ihm ausgesprochen zur Begründung, warum die Spieler der Nationalmannschaft in diesen Tagen nicht für eine Sonder-Sendung der Rateshow “Wer wird Millionär” zur Verfügung stehen. Aber darum geht es mir hier gar nicht.

Ich danke Oliver Bierhoff für die  Verwendung des Wortes “Konzentration”, und das sogar in einem Atemzug mit dem Modewort “Fokussierung”. Ob der Satz letztendlich “Sinn macht” (eine populäre Sprachverwirrung übrigens…), vermag ich gar nicht zu sagen. Er klingt aber toll, – wie eben alles, was Oliver Bierhoff sagt.

Fast überall wird heute nur noch “fokussiert”, -inflationär fokussiert sozusagen. Egal, ob bei Sportlern, Politikern, Schülern,Studenten, Journalisten – und selbst bei Lehrern: die Fokussierung hat die Konzentration fast vollständig aus unserem Sprachverbrauch verdrängt.

Ich bedauere das.

Das fokussieren kannte ich im Alltag bis vor kurzem eigentlich nur von meiner Spiegel-Reflexkamera, und dabei machte es mir der Auto-Fokus immer so einfach, daß ich nicht weiter über die Fokussierung nachdenken musste. Das fokussieren kommt also eher aus dem optischen Kontext, bzw. (für die vielen Physiker unter meinen Blog-Lesern) beschreibt sie auch die Bündelung elektro-magnetischer Teilchen. Darüber hinaus aber gibt es im Grunde nichts weiter zu fokussieren.

Der Duden beschreibt die Konzentration treffend als den Vorgang “seine Aufmerksamkeit, seine Gedanken, Überlegungen, Bemühungen o.Ä. vollständig auf jemanden, etwas ausrichten, hinzulenken“. Damit beinhaltet die Konzentration sowohl die gedankliche als auch die handelnde Ausrichtung des Bewusstseins und des Körpers auf ein bestimmtes Ziel.

Natürlich: Sprache entwickelt sich stetig weiter, Begriffe und Wörter kommen und gehen,- in diesem Beispiel sicher auch unterstützt durch den englischen Begriff “to focus”, der ähnlich universell eingesetzt wird wie die Fokussierung. Warum bin ich also so erpicht darauf, die Konzentration unter Artenschutz zu stellen?

Nun, die Gesellschaft wird zunehmend digitaler und egoistischer. Sie ist zunehmend geprägt von Aufmerksamkeitsdefiziten, Reizüberflutung sowie “mentalen Google-Effekten*” in allen Altersschichten. Es scheint mir sehr wichtig, die Konzentrationsfähigkeit zu bewahren. Sie ist ein hohes Gut im Zeitalter der Schnelllebigkeit, da sie stets unser Innerstes reflektiert und dabei verantwortungsvoll sowohl nach links und rechts, als auch nach vorn und zurück schaut. Wir brauchen den Begriff der Konzentration dringend, um diese innere Einstellung auch in Zukunft noch vermitteln zu können.

Konzentrieren wir uns!

* siehe “Der Google-Effekt” Douglas C. Merrill, südwest Verlag 2010, ISBN 978-3-517-08618-7

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Nicht von mir…

… sondern von Felix Meyer, einem wunderbaren Sänger und Songwriter ist das folgende Gedicht – wohl ein Nachruf für einen Freund

http://www.felixmeyer.eu

 

Von dir und Nichts und mir

ein werter Mensch hat still bemerkt,

er wolle nicht mehr sein-

ließ seine sieben Sachen stehen

und ließ die Welt allein

 

Ganz gleich warum oder wohin

man eilen mag und flieht,

oder wie warm ein Feuer scheint-

die Tür ist auf. Es zieht.

 

Wo er war ist nun keiner mehr

der kämpft und liebt und bebt.

Bei mir im Herz ist nun ein Raum mehr

in dem niemand lebt.

 

Martin Kleeman, 02.07.1969 – 26.01.2014

Wetten dass…? … uns etwas fehlen wird?

Es wäre falsch, eine Fernsehsendung zu etwas zu stilisieren was sie nicht ist und nie sein kann: Einem Bindeglied zwischen Generationen.

Dennoch überkommt mich mit der Gewissheit über den bevorstehenden Abschied von „Wetten daß…?“, ein Gefühl des Verlustes. Dabei geht es mir um mehr als um Melancholie oder die unvermeidliche Glorifizierung der eigenen Jugend.

Die Sendung symbolisiert den klassischen Fernsehsamstagabend im Kreis der ganzen Familie. Die Betonung hier auf der ganzen Familie. Ein Format, sicher für niemanden perfekt, dabei aber für alle unterhaltsam. Gut gemachte Wetten erfreuen Jung und Alt. Die Sofa Gespräche langweilen vielleicht die Kinder und Jugendlichen. Showstars treffen mal diesen, mal jenen Geschmack. Und wenn es dann einmal zu international wird, haben die Älteren zumindest einen Grund sich über „dieses englische Zeug“ zu beschweren.

In einer Zeit, in der wir alle fortwährend gewollt oder ungewollt unterhalten werden und dabei Zeit, Ort und Charakter des Konsums von multimedialen Angeboten grenzenlos sind, wirkt das Format einer traditionellen Fernsehshow auf den ersten Blick überholt. Klar: Zu unspezifisch, nicht individuell genug, keine eindeutige Ausrichtung auf eine Zielgruppe. Da müssen die Quoten ja leiden. Aber geht es immer nur darum?

Unsere Wirklichkeit ist heute geprägt von der zunehmenden Auflösung von festen Zeitrastern und Strukturen. Multimediale Informationsangebote haben daran einen großen Anteil. Dabei sehen wir aber auch, daß gleichzeitig Regeln und damit Orentierung verlorengehen. Dazu gehört das Bewusstsein, sich pünktlich um 20.15 Uhr vor dem Fernseher einfinden zu müssen, um eine Sendung vollständig zu sehen.

Darüber hinaus erfordert ein Format wie „Wetten daß…?“ ein Mindestmaß an Geduld und Toleranz gegenüber Inhalten, die für den Einzelnen nicht interessant sind. Schließlich auch die Respektierung der Tatsache, nicht einfach umschalten zu können wenn der Rest der Familie gerade interessiert zuschaut. Obendrein, – dies ohne Werbepausen!

Und dennoch: Eine gut gemachte Sendung (und davon gab es trotz aller berechtigter  Kritik viele…), schaffte es immer wieder, einen Beitrag zum gemeinsamen Erleben von Unterhaltung zu machen. Am Sonntag beim Frühstück die Wetten im Familienkreis noch einmal Revue passieren zu lassen, war und ist sicher nicht das schlechteste Gesprächsthema.

Ich will gar nicht über die Motive wie die Quote, Moderatoren, die Kosten oder andere Beweggründe für diese Entscheidung spekulieren. In der Summe, hätte ich mir vom öffentlich rechtlichen ZDF andere Ideen zur Veränderung gewünscht als die, einfach aufzugeben. Veränderungen im TV-Sehverhalten der heutigen Gesellschaft zu akzeptieren, bedeutet noch lange nicht automatisch vor ihnen zu kapitulieren.

Sollte die Lücke nun noch durch Zeitgeistshows, austauschbare Filmformate oder noch mehr „Samstagsabendkrimis“ gefüllt werden, haben letztendlich alle etwas verloren. Ich mag es mir gar nicht vorstellen.

Kommt nach Hause MH370!

“Come home MH370”, so lautet die Aufschrift eines Transparentes, welches Angehörige von Passagieren der vermissten Malaysia Airlines Maschine angefertigt und zum Zielflughafen gebracht haben. Sie warten. Aber MH370 fliegt nicht mehr. 239 Menschen sind verschwunden, spurlos.

Mit dem Schliessen der Flugzeugtüren, dem Lösen der Versorgungsleitungen und dem Ablegen vom Terminal entstehen täglich tausende autonome Gesellschaften auf Zeit, – abgekoppelt vom Rest der Welt. Besatzung und Pasagiere werden zu einer Schicksalsgemeinschaft. Das Erreichen Ihrer jeweiligen Ziele ist nun abhängig von höchst zuverlässiger, im Einzelfall jedoch sehr verwundbarer Technolologie.

Namen auf einer Passagierliste stehen für Menschen mit Träumen, Plänen und Wünschen. Da sind Jung und Alt, erfahrene Vielflieger, Erstflugreisende, Geschäftsleute, Familien, Kinder, Nette und Unfreundliche, Entspannte und Ängstliche. Alle sind eng verbunden durch Sympathie, Abneigung oder zumindest durch das gemeinsame Bewusstsein, das eigene Leben vertrauensvoll und vollständig in fremde Hände gelegt zu haben.

Die unzähligen Gedanken der Menschen an Bord sind fast greifbar: Die Freude auf ein Wiedersehen, Die Vorbereitung auf einen wichtigen Termin, die Zufriedenheit über das kürzlich Erreichte, die Aufregung vor einem Urlaub, Sorgen um geliebte Menschen oder aber Neugierde auf die Gegebenheiten welche man am Zielort vorfinden wird.

Ich empfinde meine eigenen Emotionen an Bord eines Flugzeuges intensver als am Boden. Ich weiss nicht, ob das allein an dieser besonderen, geschlossenen Atmosphäre liegt. Ich glaube es hat viel damit zu tun, daß man sich buchstäblich von der Geschwindigkeit und den Grenzen des Lebens am Boden gelöst hat.

Das Flugzeug selbst: Es lebt, es hat eine Identität, eine Geschichte und eine Zukunft. Diese ist für den Moment eng verwoben mit dem Schicksal derer, die es  befördert. Manchmal wundere ich mich, daß ein Flugzeug die Fülle des Erlebens in seinem Inneren überhaupt tragen kann.

Ich weiss nicht wann, wie und wodurch die Stimmung an Bord von MH 370 in Angst und damit in die Gewissheit auf das Unvermeidliche umgeschlagen ist. Jeder Versuch sich die Hilflosigkeit in den letzten Sekunden, Minuten oder gar Stunden vorzustellen, endet mit einem dumpfen Schmerz.

MH370 fliegt nicht mehr – Kommt nach Hause!

1914 und 2014 – von Sarajewo zur Krim

Es macht mir Sorge, genau 100 Jahre nachdem Europa in den ersten Weltkrieg stolperte, die Entwicklungen auf der Krim zu verfolgen. Sowenig vergleichbar die weltpolitische Lage heute auch mit des frühen 20. Jahrhunderts ist, so gibt es doch einige Parallelen:

1. einen zunehmenden, in vielen Regionen bereits sehr ausgeprägten Nationalismus der gerade auf dem Nährboden enttäuschter Erwartungen auf wirtschaftlichen Wohlstand einen spürbaren Isolationismus und Egoismus zwischen Volksgruppen mit sich bringt.

2. Ein vielerorts unreifes Demokratieverständnis, welches legitim gewählte Regierungen durch revolutionäre Umsturztaktiken beseitigen will, sobald der aktuelle Kurs der Politik nicht genehm ist (Ich erinnere hier daran, daß die Regierung Janukowitsch rechtmäßig gewählt war…).

3. Ein kompliziertes, ineffektives Geflecht von politischen, wirtschaftlichen und militärischen Bündnissen, Machtblöcken und Organisationen (UNO, EU, NATO, OSZE, G8,…).

4. Ein gestörtes Vertrauensverhältnis vieler Regierungen untereinander, auch innerhalb verbündeter Blöcke – und damit eine uneffektive Diplomatie (Stichworte: “NSA“” oder  “F*** the EU“)

5. Viele politsche Amateure und Macht-Taktiker bestimmen aktuell die Geschicke der Welt – ich sehe keine bzw. nur sehr wenige große Staaatsmänner oder Staatsfrauen.

6. Eine gekränkte Großmacht Russland, die augenscheinlich bemüht ist vergangene Bedeutung zumindest teilweise zu restaurieren und sich zunehmend von EU und NATO innerhalb Ihres Machtbereiches bedrängt fühlt. Ein Land, geführt von einem Wladimir Putin, der sich überraschenderweise doch nicht als der  “lupenreine Demokrat” erweist, als den Gerhard Schröder ihn einst auszeichnete.

7. Nach wie vor viel zu viele Waffen die einfach da sind – Merke: Zu jeder Waffe gibt es auch immer mindestens einen Idioten der gern mit ihr spielt.

Es gibt bis heute keine einfache Antwort warum der erste Weltkrieg ausbrach. Vereinfacht kann man aber sagen, daß der Krieg damals ausgebrochen ist, weil es möglich war, ihn zu führen. Daran müssen wir uns jeden Tag erinnern.

Heiko und Mehmet: heute schon gemeinsam auf Streife

Ich möchte mich hier bestimmt nicht auf unseren Minister für Justiz und Verbrsucherschutz, Heiko Maas einschiessen. Mein Blog ist unpolitisch. Dennoch, der Heiko sagt Dinge die mich wirklich irritieren. Gestern, bei einer Pressekonferenz mit Innenminister Thomas de Maiziere zu Konsequenzen aus der NSU Mordserie, hat er folgendes gesagt:

“Bei Polizei und Justiz soll es in Zukunft nicht nur Heiko und Thomas geben, sondern auch Mehmet und Aishe.” 

Sowohl die “Rheinische Post” als auch das “Handelsblatt” drucken dieses Zitat heute unkommentiert als Worte oder Zitate des Tages.

So könnte man also meinen, es gäbe heute überhaupt keine Polizisten und Justizangestellte mit Mitgrationshintergrund. Denn der Heiko spricht ja von der Zukunft (das macht er überhaupt sehr gern). Laut einer Anwort der nordrhein-westfälischen Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Piratenpartei aus dem Jahr 2013 geht allerdings hervor, daß die Zahl der Einstellungen von Menschen mit Migrationshintergrund in den gehobenen Polizeivollzugsdienst in NRW von 58 Migranten im Jahr 2009 auf 161 im Jahr 2012 angestiegen sind. Das ist eine anteilige Steigerung von 5,3 auf 11,5 Prozent gemessen an allen Neueinstellungen. Im Jahr 2012 etwa hatten 1.757 oder 21,3 Prozent aller Bewerber einen Migrationshintergrund. Tatsächlich eingestellt wurden aber nur 161 bzw. 11,5 Prozent. Natürlich könnten es noch deutlich mehr sein und anscheinend sind die Einstellungskriterien (wohl auch mit recht) sehr anspruchsvoll, so daß noch zu viele Bewerber im Aufnahmeverfahren scheitern. Das heisst, es muß weiter an den schulischen Ausbildungsangeboten für Migranten gearbeitet werden. Das ist aber ein anderes Thema. (Siehe: http://www.migazin.de/2013/11/07/nordrhein-westalen-immer-polizisten/ )

Der Heiko vermittelt mit seiner Aussage den Eindruck, als ob die Polizei und in der Justiz heute als Karriereweg für Menschen mit Migrationshintergrund gar nicht offen steht.

Das ist nicht richtig.

Von den Redakteuren der Rheinischen Post und des Handelsblatts hätte ich mir zudem gewünscht, die Aussage (wenn überhaupt) nur im Kontext einiger weiterer Informationen wie oben abzudrucken. Ein falscher Eindruck ist schnell vermittelt, aber nur sehr schwer zu korrigieren.

Die Evi und der Heiko

Diese Woche war geprägt von zwei schnellen Menschen: Evi Sachenbacher-Stehle und Heiko Maas. Erstere ihres Zeichens Biathletin, letzterer seit geraumer Zeit Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz. Beide könnte man auch als klassische Quereinsteiger bezeichnen. Die Evi war früher reine Langläuferin, der Heiko saarländischer Ministerpräsident für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Energie. Während die Evi allerdings nachweislich für ihre um das Schiessen erweiterte Tätigkeit hart trainieren und Leistungsbeweise erbringen musste, schiesst der Heiko in seiner aktuellen Profession sozusagen ungelernt und spontan aus der Hüfte.

Nachdem die Evi nun bei Olympia in Sotschi zunächst nur positiv aufgefallen war (immerhin zwei 4. Plätze), überraschte dann am Donnerstag morgen die Meldung des Tages: Ein zunächst noch anonymer deutscher Sportler war offensichtlich gedopt. Die sogenannte A-Probe war positiv, die bestätigende B-Proben Analyse stand allerdings noch aus.

Und da schlug die Stunde vom Heiko: Irgendwie hatte er frühzeitig von der Sache Wind bekommen und schwupps…

… schon stand er vor den Kameras der Nachrichtenjournalisten und kündigte die Verschärfung des Strafrechts für Doping-Vergehen aller Art an.

Ich stellte mir unweigerlich die Frage, ob er denn wohl an diesem Morgen nichts anderes zu tun gehabt hatte. Wahrscheinlich alle Termine kurzfristig abgesagt, – zum Wohle des Sports und der Nation sozusagen. Das gleiche  Reaktionsvermögen hatte er übrigens auch in der Download Affäre des unseligen Ex-Bundestags Abgeordneten gezeigt. Während der Hans Joachim sich auf die Suche nach einem neuen Job machte und der Thomas ein ehrliches und überzeugendes Wort des Bedauerns an ihn richtete, stand der Heiko…

…bereits vor den Kameras der Nachrichtenjournalisten und kündigte die Verschärfung des Strafrechts für Download-Vergehen solch übler Art an.

Man verstehe mich nicht falsch, beide Initiativen vom Heiko sind in der Sache absolut richtig und sehr, sehr wichtig. Ich würde mich nur wohler fühlen, wenn ich den Eindruck hätte, daß unsere Regierungsvertreter konsequent an einer Liste von Projekten und Prioritäten arbeiteten – und nicht eben populistisch und kurzatmig auf die Themen des Tages reagieren würden.

Aber zurück zur Evi. Im Gegensatz zum Heiko wird man sie wohl lange nicht mehr vor Kameras sehen. Und warum? Wegen eines “verunreinigten Nahrungsergänzungsmittel welches ihr ein Mentaltrainer verabreicht hatte”. Um den Aspekt der Verunreinigung noch klarer zu machen, war sogar ursprünglich von “Energieriegeln chinesischer Herkunft” die Rede. Klar, China steht für Umweltverschmutzung und erstaunliche Leistugssteigerungen im Profisport… verunreinigter geht es also nicht.

Was sagt eigentlich der Heiko in seiner Rolle als Verbraucherschutzminister dazu? Hätte er die Evi als Verbraucherin schützen müssen? Beinhaltet die Zuständigkeit des Verbraucherschutzministers auch die Qualitätskontrolle chinesischer Nahrungsergänzungmittel? Wäre diese Frage anders zu beantworten, wenn die Evi verunreinigte Müller-Müsli Riegel geknabbert hätte? Wurde “China” gar als Erzeugerland nur ins Spiel gebracht, um zu vermeiden, daß die Opposition umgehend den Rücktritt vom Heiko fordert?

Es bleibt in jedem Fall die Frage, warum eine erfahrene Sportlerin, die schon einmal wegen  erhöhter Blutwerte in die Nähe des Dopings geraten ist, sich von einem Mentaltrainer zur Einnahme von Zusatzmitteln verleiten lässt. Vorsatz, Dummheit, Naivität? Wahrscheinlich all dies in einer für sie leider schicksalhaften Kombination. Schade!

Warum es dann allerdings gleich Durchsuchungen des Trainingsstützpunktes und offensichtlich auch der Wohnung der Evi geben musste, verstehe ich nicht. Auch hier spürt man wieder den leidigen Drang vieler Exekutivorgane zum medial begleiteten, öffentlichkeitswirksamen Großeinsatz. Diskrete und maßvolle Ermittlungen scheinen mehr und mehr die Ausnahme und nicht mehr die Regel zu sein.

Vielleicht sollte der Heiko dies mal mit dem Thomas* besprechen. Idealerweise aber nicht vor Kameras. Dabei wünsche ich ihm viel Erfolg. Der Evi, der wünsche ich alles Gute.

*: nein, natürlich nicht mit dem Thomas, den die Demission des Hans Joachims nicht mehr schlafen lässt – der plaudert leider zu viel aus. Hier gemeint ist natürlich der Eurohawk-Thomas, aktuell Bundesinnenminister.

Notizblock 2004 – Bookmarks 2014

Zu Erledigen Liste, 2004

  • Tageszeitung durchsehen wegen neuer Wohnung
  • Möbelhaus, Bett und Anrichte aussuchen
  • die nette Blonde aus der Diskothek anrufen (Nummer?)
  • Optiker – Brille abholen
  • Last-Minute Reise am Flughafen buchen
  • T-Punkt Laden, Handy kaufen
  • zur Bank, Kredit aufnehmen und Überweisungen machen
  • Geburtstagsgeschenk für meine Schwester überlegen/besorgen
  • Stadt: Jeans, Hemd, Schuhe kaufen
  • Buchhandlung: neuer Roman von Ken Follett
  • Stadtwerke – Gasrechnung reklamieren

To Do Liste 2014

  • immo-scout.de
  • moebel.de
  • parship.de
  • brille.de
  • tropo.de
  • congstar.de
  • comdirect.de
  • mydays.de
  • zalando.de
  • amazon.de
  • verivox.de

Wer spielt hier eigentlich verrückt: Das Wetter oder wir?

Am Sonntag, den 2. Februar 2014 war das Wetter in Westfalen schön. Wunderschön um genau zu sein. Bei Mittagstemperaturen von fast 10° Cesius im Schatten und ausgezeichneter Fernsicht konnten wir einen ausgedehnten Spaziergang in der Sonne geniessen. Mit den bereits spriessenden Schneeglöckchen und Krokussen war die Illusion des Frühlings perfekt. Es war ein wunderbarer Tag.

Erst abends bei der Tagesschau, holte mich angesichts der Wettermeldungen aus dem übrigen Europa die Realität wieder ein: Der  milde Winter in Deutschland in Verbindung mit seit Monaten viel zu viel Regen in Großbritannien, schweren Stürmen an der französischen Atlantikküste, Schneemassen in Osttirol sowie großer Kälte in Osteuropa – all dies sind Faktoren, die wieder einmal den Klimawandel von einer Theorie zur puren Gewissheit werden lassen. Man kann es einfach nicht mehr ignorieren, die Wetterextreme nehmen zu. Gut, am Sonntag war es für uns hier ein positives Extrem. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis auch wir wieder von Sturm, Starkregen oder Trockenheit daran erinnert werden, daß wir im Auge des Sturms den Ausblick bewundern durften.

Mir fällt immer öfter auf, daß die Kommentare zum Wetter in den Medien aktuell sehr verharmlosend sind, – bzw. die Frage nach den Gründen für diese Entwicklung nicht mehr so häufig gestellt wird, wie noch vor einigen Jahren. Googeln Sie mal nach dem Begriff “Das Wetter spielt verrückt”, und sie wissen was ich meine.

“Spielen” und “Verrücktheit”, das sind Begriffe, die nur bedingt eine wirkliche Bedrohung transportieren, vielmehr ist das Gegenteil der Fall: “Ach das wird schon wieder, Karnevalisten spielen auch ein paar Tage verrückt, dann sind sie wieder normal.” – so oder ähnlich ist man dann versucht, sich etwas vorzumachen und den Kopf in den Sand zu stecken.

Nur: alle Indikatoren sagen uns, daß es eben nicht wieder normal wird. Es wird noch viel schlimmer, wenn wir nicht jetzt etwas tun. Erstaunlicherweise ist mit der Wirtschafts- oder Eurokrise, der Klimawandel als DIE entscheidende Herausforderung für die Menschheit aus der öffentlichen Diskussion weitgehend verschwunden. Klimaziele werden aufgegeben oder ausgehöhlt und nur noch Wenige regt das wirklich auf. Auch ich selbst neige zum Selbstbetrug. Vielleicht weil ich die Antworten auf die Fragen auch nicht habe? Oder ist es eher so, daß ich zu bequem bin, die Konsequenzen eines nachhaltigen Umganges mit der Welt und Ihren Resourcen auf meine sogenannte “Lebensqualitä”t zu akzeptieren?

Fatalerweise, sind die ökologischen Langzeitfolgen vieler heutiger Verhaltensweisen oder aktueller Produkte, die vermeintlich Lebensqualität ausmachen, katastrophal für die Erde, die Flora, die Fauna und unsere Kinder.

Warum sind wir nicht verantwortungsvoller? Warum verstecken wir uns in der Masse? Warum machen wir die Augen zu oder sehen weg? Warum machen wir uns immer etwas vor?

Wer spielt hier eigentlich verrückt?

PS: ich glaube im übrigen daß es okay war, den Frühlingstag im Februar unbeschwert zu geniessen. Ich nehme mir aber noch einmal vor, die Augen noch weiter aufzumachen und nicht mehr wegzusehen. Ein Anfang, immerhin.